Gab's da nicht schon 'n Tumblr? Menu

Gab's da nicht schon 'n Tumblr?

Richtig, bis vor einiger Zeit bot ein Tumblr die Möglichkeit, sich über Honorardaten auszutauschen. Doch der Tumblr ist tot – und auch andere Angebote schimmeln vor sich hin.

Es war recht simpel. Ein öffentlicher Blog, und jeder konnte seine Erfahrungen zu Gehältern und Honoraren hineinschreiben. Der Tumblr „Was Journalisten verdienen“ wurde vor Jahren von den Freischreibern gestartet, später jedoch geschlossen, weil durch ein technisches Update die Anonymität der Spender gefährdet war. Nun ist diese Website quasi als Nachfolger entstanden.

Ganz allein steht sie nicht. Auch einige andere Seiten haben versucht, Transparenz in das Thema zu bringen. Doch derzeit verrotten die wenigen Versuche vor sich hin oder wurden ganz abgeschaltet.

Wo gibt es sonst Honorar-Infos?

Da ist zum Beispiel das „Mediafon“. Eine in die Jahre gekommene Website der Gewerkschaft ver.di im Pixel-Look der 90er-Jahre. Auch dort können Journalisten Daten hinschicken. Eine Datenbank listet sie später, alphabetisch nach Medium sortiert, auf. Wie viele Datenpunkte es gibt, lässt sich schwer sagen. Die Website selbst verspricht Infos zu 59 Medien – bei weit über 2.000 Zeitungen, Magazinen, Online-Angeboten, Fernseh- und Radiosendern, die wir in Deutschland haben. Wer hier fündig wird, hat Glück gehabt. Anders als diese Website weist die Datenbank aber auch Bildhonorare aus.

Der DJV bietet zwar keine interaktive Version, stellt aber auf seiner Website zumindest die ausgehandelten Tarifgehälter aus. Angestellte Redakteure sollten demnach zwischen 2016 und 2018 als Berufseinsteiger rund 3.250 Euro verdienen. Freie Journalisten dürfen laut DJV bei Medien mit Auflagen bis zu 100.000 rund 95 Cent pro Zeile verlangen. Eine Unterscheidung macht der DJV bei den Medien nicht. Für Online-Angebote sind die Infopapiere schon etwas in die Jahre gekommen. Die letzten ausgehandelten Honorar-Empfehlungen stammen von 2012 und erstrecken sich über 48 Seiten klein gedruckten Text.

Alt – oder ganz offline

Daneben kursieren noch einige andere Gehalts-Check-Portale im Netz, die jedoch nicht auf Journalisten spezialisiert sind. Das schwächt Aussagekraft und Präzision. Zu Honoraren von freien Journalisten bietet meines Wissens keine Seite Daten an.

Hinzu kommen Zahlen, die einige wenige Medien von sich aus online publizieren. Zumindest die öffentlich-rechtlichen Anstalten wie der RBB haben sich schon mal in die Karten schauen lassen.

Viel mehr gibt es nicht zu entdecken. In der Summe sind die Daten meist alt, schlecht gepflegt, nicht interaktiv durchsuchbar oder ganz offline. Dabei gehört es für viele Journalisten zum Berufsalltag, um Zeilengelder zu feilschen und Fotohonorare herauszuhandeln. Ein Vergleichswerkzeug aber fehlt. Für eine Berufsgruppe, die sich sonst über jeden Missstand ereifern kann, ist das seltsam und unbefriedigend.

Wenn du mithelfen willst, dass feste oder freie Journalisten mehr über ihre finanzielle Situation erfahren, hilf uns: Spende deine Gehalts- oder Honorardaten. Oder erzähle deinen Kollegen von dieser Seite. Denn Unwissen kostet uns alle täglich Geld.